Neue Generation von Kampfflugzeugen: Su-35BM – Update 01

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 03. April 2008 erstellt. In der Zwischenzeit wurde bekannt, dass Sukhoi an einem Kampfjet der 5. Generation mit Namen PAK FA T-50 arbeitet, auf den wir in einem späteren Artikel eingehen werden. Das Ziel dieses Updates ist den Status des Sukhoi Su-35 genauer unter die Lupe zu nehmen und dabei präziser zwischen den beiden Subvarianten zu unterscheiden. Schliesslich werden wir versuchen die Frage zu beantworten, weshalb bei der Evaluierung des Tiger-Teilersatzes kein russisches Kampfflugzeug in die Evaluierung aufgenommen wurde.

Die Kennung Su-35 (auch Su-35 Flanker E) tauchte erstmals 1992 auf, um die Exportchancen eines auf dem Design der Su-27 basierenden, russischen Kampfflugzeugs zu erhöhen. Im Gegensatz zur Su-27 wurde insbesondere die Manövrierbarkeit verbessert, wozu sie mit Entenflügel ausgestattet wurde. Wegen der ökonomische Krise in Russland nach Ende des Kalten Kriegs zog sich die Weiterentwicklung der Su-35 in die Länge, bis 2001 die Exportchancen schlecht standen. Eine in Mitte der 2000er-Jahre konzipierte Weiterentwicklung der Su-30MKI (Exportvariante der Su-30 für Indien, wobei MK für Modernizirovannyi Kommercheskiy Indiski steht = Modernized Commercial India) ohne Entenflügel wird von Sukhoi ebenfalls unter der Kennung Su-35 geführt, aber um Verwechslungen vorzubeugen in den meisten Quellen als Su-35BM (BM steht für Bolshaya Modernizatsiya = Big Modernization), Su-35M-1 oder Su-35S bezeichnet. Mit dem Vorgänger hat die Su-35BM das grundlegende aerodynamische und strukturelle Design gemein, wobei das Gewicht durch die Verwendung von Aluminium, Titan und Verbundswerkstoffen reduziert sowie die Aerodynamik verbessert werden konnte. Dadurch kann die Su-35BM 2’000kg mehr Treibstoff mit sich führen, was ihre maximale Reichweite mit zwei externen Tanks auf 4.500 km erhöht (Quelle: Flightglobal). Wie bereits die Su-30MKI verfügt sie über eine höhere Leistung als die früheren Su-35 Maschinen, wobei zwei Saturn 117S Triebwerke für je 86,3 kN (mit Nachbrenner je 142 kN) Schub sorgen. Sie erreicht damit jedoch nicht ganz die Leistung einer Lookhead Martin F-22. Gemäss Dr. Carlo Kopp von Air Power Australia verfügt die Su-35BM als erster nicht US-amerikanische Kampfjet über Supercruise-Fähigkeit. Teilweise wurde bei der Su-35BM Radarwellen absorbierendes Material (RAM) eingesetzt, was zwar den Radarquerschnitt verringert, jedoch noch nicht an die Stealthfähigkeit eines Kampfflugzeugs der 5. Generation heran kommt. Ebenfalls verbessert wurde die Avionik sowie die Radar- und Waffentechnologie. Gemäss der US-amerikanischen Einteilung der Kampfflugzeuge in Generationen (in Europa existieren teilweise andere Kriterien zur Einteilung) werden Kampfflugzeuge mit modernerer Avionik, neuerer Waffentechnologie und ersten Ansätzen von Stealth-Technologie (aber nicht “voll” stealthfähig) der 4.5 Generation zugerechnet, was auch für den Su-35BM zutrifft (vgl. auch “Su-35 multi-role Fighter“, Sukhoi Company). Bezogen auf die Leistung und wahrscheinlich auch technisch scheint der Su-35BM trotzdem diesen 4.5 Generationen Kampfjets (F/A-18E/F, Dassault Rafale, JAS 39 Gripen, Eurofighter Typhoon usw.) etwas überlegen zu sein (vgl.: Carlo Kopp, “Sukhoi/KnAAPO Su-35BM/Su-35-1/Su-35S Flanker“, Air Power Australia, August 2009). Planmässig sollte die Su-35BM die Lücke bis zur Serienproduktion der PAK FA T-50 ausfüllen, also bis zur Verfügbarkeit eines Kampfflugzeugs 5. Generation. (Quelle: “Sukhoi plans further Su-27 derivative“, Flightglobal, 06.09.2005).

Sukhoi strebt die Serienproduktion der Su-35BM noch in diesem Jahr an. Nach dem Georgienkrieg entschied die russische Regierung für rund 2,5 Milliarden US-Dollar neue Kampfflugzeuge zu beschaffen. Neben 12 Su-27SM3, 4 Su-30M2 sieht der am 18. August 2009 unterschrieben Vertrag auch die Lieferung von 48 Su-35BM vor, welche bis 2015 ausgeliefert sein sollen. Indien wäre ein wichtiges Exportland gewesen, doch mit dem Entscheid im November 2009 126 F/A-18E/F zu kaufen, ist die Su-35BM wohl endgültig vom Tisch. Ein weiteres wichtiges Exportland wäre Brasilien gewesen, doch im Oktober 2010 flog die Su-35BM neben dem Eurofighter Typhoon und dem Lockheed Martin F-16BR aus der F-X2 Kampfjet-Evaluation raus – Brasilien favorisiert derzeit die Anschaffung von 36 Dassault Rafale (Quelle: “Brazil’s F-X2 Fighter Competition“, Defense Industry Daily, 07.04.2010). Weitere mögliche ausländische Käufer der Su-35BM wären Venezuela, Syrien, Libyen und womöglich sogar China. (Quelle: “Sukhoi Su-35 4++ Generation Flanker“, Milavia, 18.02.2010).

Es gibt verschiedene Faktoren, weshalb keine russische Kampfflugzeuge bei der Evaluierung des Tiger-Teilersatzes berücksichtigt wurden:

  • Falsche Generation: Die Kampfflugzeuge in der Evaluierung zum Tiger-Teilersatz sind alle der 4.5 Generation zugehörig. Damit kommen die bekannten russischen Kampfflugzeuge MiG-29, Su-27 usw. für die Evaluierung nicht in Frage, da sie der 4. Generation zugehörig sind und sich somit auf dem technologischen Niveau einer F-15, F-16 oder F/A-18C/D befindet. Diese Generation basiert auf einem Kampfflieger-Design der 1970er, mit dessen langsamen Ausserdienststellung in den nächsten Jahren zu rechnen ist (vgl.: Rob Lechner und Carolynne Hiether, “Integrated Live Virtual Constructive Technologies Applied to Tactical Aviation Training“, 2008). Eine Liste möglicher russischen Kandidaten zur Evaluierung reduziert sich also auf den Su-35BM, weil er mit modernerer Avionik, neuerer Radar- und Waffentechnologie sowie ersten Ansätzen von Stealth-Technologie den anderen Kandidaten ebenbürtig, womöglich sogar überlegen sein könnte. Doch es gibt noch weitere Ausschlusskriterien als nur das technologische Niveau.
  • Fehlende Serienproduktion: Mit der Bewilligung von 8 Millionen Franken trat der Tiger-Teilersatz im Juni 2007 in seine Evaluierungsphase. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Entscheid, welche Kampfflugzeuge evaluiert werden sollten, im Verlauf des Jahres 2006 getroffen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Su-35BM noch in ihrer Entwicklungsphase (Erstflug: 19. Februar 2008).
  • Ungenügende Zuverlässigkeit der Lieferanten: Ein generelles Ausschlusskriterium für die Evaluierung eines russisches Kampfflugzeugs war auch die schlechte Ersatzteilversorgung. Deutschland macht mit den von der Deutschen Demokratischen Republik übernommenen MiG-29 in Bezug auf die Reparaturanfälligkeit, den Betriebskosten und der Ersatzteilbeschaffung schlechte Erfahrungen. Österreich testete die MiG-29 im Rahmen ihrer Kampfjetbeschaffung und erachtete das Resultat als nicht befriedigend. Trotzdem blieb die MiG-29 bis Mitte Januar 2001 im österreichischen Beschaffungsprogramm enthalten, schied aber schliesslich wegen ungenügender Absicherung der Materialversorgung während der gesamten vorgesehen Nutzungsdauer aus. (Quelle: Martin Rosenkranz, “Österreich kauft Abfangjäger“). Ob diese Probleme mit der Materialversorgung immer noch bestehen, ist schwierig zu beurteilen. Einerseits bestätigte mir im Frühling diesen Jahres ein ungarischer Offizier, dass sie früher bei ihren, immer noch im Einsatz stehenden MiG-29 tatsächlich Probleme mit der Ersatzteilversorgung hatten, dass es aber nun zu keinen Versorgungsproblemen mehr käme. Andererseits wollte sich auch Brasilien nicht mehr für die Beschaffung eines russischen Kampfflugzeugs entscheiden, wobei die schlechte Ersatzteilversorgung ein Faktor für diesen Entscheid ausmachte (Quelle: “Brazil’s F-X2 Fighter Competition“, Defense Industry Daily, 07.04.2010).
  • Interoperabilität: Was die Interoperabilität und die Kompatibilität zu den in der Schweiz bestehenden Waffensystemen angeht, ist es fragwürdig inwieweit ein russischer Kampfjet mit den anderen im Evaluationsprogramm befindlichen Kampfflugzeugen mithalten könnte. Ausserdem ist die Su-35BM wie die F/A-18E/F eher zu gross konzipiert für unsere bereits bestehenden Infrastrukturen (die Su-35BM ist grösser als der F/A-18E/F).


Nachgefragt beim Generalsekretariat VBS (16.04.2008)

Frage: Aus welchen Gründen wird beim Tiger-Teilersatz auf die Evaluierung eines russischen Kampfflugzeugs verzichtet?

Antwort von Sebastian Hueber, Sprecher VBS:
Es werden Flugzeuge evaluiert, welche für die Luftwaffen der Herstellerländer in Produktion stehen, 2008 in der Schweiz erprobt und im Herbst 2010 bestellt werden können. Die vier Typen Eurofighter, F/A-18E/F, Gripen und Rafale sind die einzigen Kandidaten auf dem Markt, welche im Einklang mit der Strategie stehen. Nicht mit einbezogen wurden der F-22 und der F-35. Der F-22 Raptor als Nachfolger des F-15 deckt ein Leistungsspektrum ab, welches ausserhalb der Möglichkeiten der Schweiz liegt. Der F-35 Joint Strike Fighter steht noch in Entwicklung und steht damit im Widerspruch zur Strategie.
Die Schweiz hat in der Vergangenheit Kampfflugzeuge aus Grossbritannien, Frankreich und den USA beschafft. Die Beschaffung eines Kampfflugzeugs aus Russland, und vor allem seine Integration in die Infrastruktur der Luftwaffe, wäre Neuland mit Unbekannten und Risiken. Bisher haben keine west- und mitteleuropäischen Staaten russische Kampfflugzeuge beschafft. Die deutsche Luftwaffe übernahm nach der Wiedervereinigung die ostdeutschen MiG-29, musterte sie aber nach wenigen Jahren wieder aus, weil die Instandhaltungskosten sehr hoch und die Beschaffung von Ersatzteilen schwierig waren.
Mit den vier in der Evaluation stehenden Typen ist ein echter Wettbewerb sichergestellt, welcher zu den bestmöglichen Preisen führt und mit der Erprobung in der Schweiz kann der operationelle Nutzen unter Schweizer Einsatzbedingungen ermittelt werden. Das daraus entstehende Evaluationsdossier wird der Schweiz ermöglichen dasjenige Modell auszuwählen, welches den besten Gegenwert für die investierten Mittel bietet.

 

Und hier die Flugzeugdaten im Überblick (Quelle: KNAAPO, “Su-35 – Single-seat multi-functional super-maneuverable fighter“, 2010):

Kenngrösse Daten
Typ:  Mehrzweckkampfflugzeug / Luftüberlegenheitsjäger
Länge:    21,9 m
Flügelspannweite:    15,30 m
Höhe:    5,9 m
Leermasse:  25.300 kg
max. Abflugmasse:  34.500 kg
max. Waffenlast:  8.000 kg
max. Treibstofflast (ohne Zusatztanks):  11.500 kg
g-Limits:    9 g
Marschgeschwindigkeit:  1,400 km/h
Höchstgeschwindigkeit:  ca. 2.095 km/h; Mach 2,3
Dienstgipfelhöhe:  18.000 m
Einsatzradius:  1.580 km (mit internem Treibstoff)
Flugreichweite:  4.500 km (mit zwei externen PTB-2000 Treibstofftanks)
Bewaffnung:    12 Aufhängungen, wobei 2 an den Flügelseiten. Mögliche Last: Mittelstrecken- und Langstrecken-Raketen der Wympel R-27 – Familie, Kurzstrecken-Luft-Luft-Raketen R-73 – Familie, Marschflugkörper der Kh-59 – Familie, Luft-Boden-Raketen bzw. Antischiffs-Rakete der S-25, Kh-29 und Kh-31 – Familie, lasergelenkte Bombe LGB-250, KAB-500, KAB-1500, ungelenkte 250kg sowie 500kg Bomben, Zusatztanks, EloKa- und Aufklärungsbehälter. (Vgl.: Carlo Kopp, “Sukhoi/KnAAPO Su-35BM/Su-35-1/Su-35S Flanker“, Air Power Australia, August 2009).

Eine Revolverkanone vom Typ Grjazew-Schipunow 30mm-Kanone GSh-301 (9A-4071K) mit bis zu 150 Schuss.

Triebwerk:  zwei Saturn 117S Triebwerke mit je 86,3 kN (mit Nachbrenner je 142 kN)
Stückpreis:  unbekannt

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30 Responses to Neue Generation von Kampfflugzeugen: Su-35BM – Update 01

  1. Thomas says:

    Wenn man wie so oft nur auf die äusseren Werte schauen würde, dann ist die Su-35 ein heisser Feger. Wirklich Wartungsfreundlich war der Vorgänger MiG-31 nicht. Die Bundeswehr hatte nach der Wiedervereinigung doch erhebliche Probleme. Dafür waren die Deutschen damals eine weile sehr gefragt bei Nato-Übungen :)

  2. Administrator says:

    Hallo Thomas,
    ich gebe Dir da vollkommen recht, nur mit dem Einwand, dass Deutschland bei der Wiedervereinigung nicht MiG-31 Kampfflugzeuge, sondern 24 MiG-29 übernommen hatte. Eine MiG-29 wurde 1991 an die US-Airforce abgegeben (ein Schelm wer dabei schlechtes denkt ;-)), eine stürzte 1996 wegen eines Pilotenfehlers ab und der Rest wurde 2003/2004 zu einem symbolischen Preis von 1 Euro pro Flieger an die Polen weitergegeben.

    Die MiG-29 kam übrigens Ende Februar in die Schlagzeilen, als Algerien bekannt gab, dass sie 15 MiG-29 an Russland zurückgeben und aus einem 8 Milliarden Waffendeal aussteigen wolle (das grösste Waffenexportgeschäft Russlands seit Ende der Sowjetunion). Als Grund gaben algerische Regierungsvertreter technische Probleme an. Anstatt neue modernisierte Exemplare erhalten zu haben, hätten die Russen ihnen welche aus bereits gebrauchten Teilen geliefert. Ob die algerischen Einwände jedoch stimmen, ist eine andere Frage, denn insbesondere Frankreich könnte auf Algerien Druck ausgeübt haben, um ihre Dassault Mirage verkaufen zu können. (Quelle: Defensenews)

    Und zuletzt, dass keine Verwirrung aufkommt: die Sukhoi-Flieger und die Mikoyan-Flieger sind verschiedene Entwicklungsstränge.

  3. Frosch says:

    Ich bin mir nicht ganz sicher ob der beitrag hierher passt. Da es sich im weitesten Sinn um die russichen Flugzeuge und deren Technik handelt, platziere ich den Kommentar dennoch hier.
    Auf der Website der Air Force Association ist ein Video verfügbar, das die Gefahren für die amerikanische Luftüberlegenheit zeigt. Seit dem Koreakrieg waren US Truppen bei ihren Einsätzen nicht mehr durch ein Bedrohung aus der Luft in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Doch der technische Vorsprung sei rasant am schwinden. Die potentiellen Gegner Russland und China seien bei der Entwicklung moderner Waffnsysteme so weit fortgeschritten, dass die Air Supremacy der Amerikaner von vier Seiten her akut bedroht sei: 1. die Entwicklung moderner mobiler Flugabwehrsysteme mit grosser Reichweite (>100 Meilen), 2. die Entwicklung moderner Kampfjets mit neuen weitreichenden Luft-Luft Lenkwaffen, welche den amerikanischen Modellen (v. a. AMRAAM) überlegen seien, 3. durch Angriffe auf die Netzwerkstruktur /Cyberwar, und 4. durch die Fähigkeit auch Ziele im Weltraum bekämpfen zu können, wie der Test der Chinesen gezeigt habe.
    Immer wieder wird auch dezent darauf hingewiesen, dass die amerikanischen Flugzeuge veraltet seien. Die Leistungsangaben zu den russischen und chinesischen Modellen (welche ja häufig Lizenzprodukte oder kopierte Modelle sind)sind allerdings derart phantastisch, dass man sich technisch gesehen fragen muss, weshalb keine russischen Flieger evaluiert werden…Aber wie gesagt bei der Suche nach dem Tiger-Nachfolger spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle.

  4. mig29movt says:

    Hallo allerseits
    Ich habe das noch nicht genau verstanden…
    Liegt das “Problem” des VBS hauptsächlich bei den Unsicherheiten im Bezug Ersatzteile etc. oder beim Mangel an vergleichbarem Gerät und/oder bei der evtl. schwierigen Integration?
    Persönlich sehe ich bei keinem dieser Gründe grössere Schwierigkeiten: könnte man Ersatzteile nicht mittels Verträgen oder Lizenzen sichern bzw. selbst fertigen? Laut Herstellerangaben sind z.B die MiG-29SMT, -29K, -29M2 und die MiG-35 mit einer “open-architecture avionics suite” beliebig auf andere, sprich westliche NATO- und ICAO-Standarts (dies wurde gerade bei der slowakischen MiG-29 Flotte abgeschlossen) umrüstbar. Die Generationen werden von MiG und Sukhoi mit 4++ (MiG-35, -29K, -29M2 und Su-35) angegeben. Die amerikanische Definition gibt hier “nur” die fehlende Stealth Eigenschaft als Grund an (welche ja auch schon überlistet wurde).
    Für diese Evaluation sind die russischen Modelle leider schon endgültig aus dem Rennen aber für kommende Evaluationen sollte das, meiner Meinung nach, überlegt/versucht werden.

    Mit freundlichen Grüssen
    MiG29MOVT

    PS: Einige Daten zur Su-35 sind nicht ganz korrekt z.B. 34500kg der maximalen nicht der normalen Abflugmasse (diese wäre 25300kg)

  5. Hallo mig29movt,
    danke für die Korrektur – Daten wurden angepasst, bei abweichenden Angaben wird auf die Quelle verwiesen. Ich weise jedoch darauf hin, dass alle veröffentlichten Daten mit Vorsicht zu geniessen sind, denn je nach Quelle variieren die Angaben teilweise deutlich. Jemand von der Armasuisse sagte mir mal, dass man im militärischen Bereich grundsätzlich nicht auf die Angaben der Hersteller vertrauen kann.

    Das Generalsekretariat VBS teilte mir bezüglich Evaluierung russischer Kampfflugzeuge folgende Kernaussage mit (siehe im Blogartikel oben):

    Die Beschaffung eines Kampfflugzeugs aus Russland, und vor allem seine Integration in die Infrastruktur der Luftwaffe, wäre Neuland mit Unbekannten und Risiken. Bisher haben keine west- und mitteleuropäischen Staaten russische Kampfflugzeuge beschafft. Die deutsche Luftwaffe übernahm nach der Wiedervereinigung die ostdeutschen MiG-29, musterte sie aber nach wenigen Jahren wieder aus, weil die Instandhaltungskosten sehr hoch und die Beschaffung von Ersatzteilen schwierig waren.

    Also ist die langfristige Versorgung mit Ersatzteilen nur eine der Faktoren, die vor einem Kauf eines russischen Kampfflugzeuges abschrecken. Weitere Gründe sind politischer und infrastruktureller Natur. Es geht auch um die Vermeidung von Risiken im Bereich der Interoperabilität und der (langfristigen) Kosten. Vermutlich sind noch weitere nicht öffentlich kommunizierte Faktoren ausschlaggebend. Nicht zu vergessen ist, dass bei den Beschaffungsverantwortlichen die Mirage-Affaire kaum zu einer höheren Risikobereitschaft beiträgt.

    • In der Frühlingsession der eidgenössischen Räte hat Nationalrat Dominique Baettig (SVP, JU) folgende Anfrage gestellt:

      Zieht der Bundesrat dabei – aus Gründen der Unabhängigkeit und der Neutralität – auch die Möglichkeit in Erwägung, Kampfflugzeuge russischer Herstellung zu prüfen und gegebenenfalls zu beschaffen?

      Die Antwort des Bundesrates vom 04.05.2011 lautet:

      Um die Wirksamkeit zu optimieren und die Kosten zu minimieren, sollen die Flugzeuge in der gleichen Hardware- und Software-Version beschafft und betrieben werden, wie sie bei der Luftwaffe des Herstellerlands im Einsatz stehen. Dies wäre bei russischen Flugzeugen nicht möglich, weil sie z. B. bezüglich Übermittlung, Navigation und Freund-Feind-Erkennung auf Standards beruhen, die mit unserer Infrastruktur sowie mit den Kampfflugzeugen und der Infrastruktur der Nachbarstaaten nicht kompatibel sind. Weiter ist aus Kontakten mit Deutschland, das in den Neunzigerjahren Kampfflugzeuge aus der ehemaligen DDR betrieben hat, bekannt, dass Betrieb und Instandhaltung russischer Flugzeuge aufwendig sind.
      Aus diesen Gründen verzichtet der Bundesrat bei diesem Beschaffungsprojekt auf die Evaluation russischer Kampfflugzeuge.

      Quelle: “Beschaffung neuer Kampfflugzeuge erneut lanciert“, Curia Vista – Geschäftsdatenbank.

  6. Marco W. says:

    Ich finde wir sollten lieber 1-2 Jahre warten und dafür den F-35B kaufen. Den müsste man viel länger nicht ersetzen und ist in so ziemlich allen Punkten den anderen Jägern überlegen.

  7. Peda says:

    Jup, und der hat auch ein schönes JAK triebwerk der russen drin :-)

  8. @Marco: Antwort dazu siehe hier.

    @Peda: Wie kommst Du auf diese Aussage? Gemäss Aerospaceweb.org hat der F-35 ein Haupttriebwerk von Pratt & Whitney drin (siehe auch dementsprechende Herstellerseite).

  9. pakistan air force says:

    hallo, ich würde mir wünchen wenn pakistan sich su 35bm jäger besorgen würde

  10. Hole says:

    Die Entscheidung der Luftwaffe, die MiG-29 abzugeben, war rein politisch und hatte nichts mit Wartungsproblemen oder teurem Unterhalt zu tun. Man wollte den Weg frei machen für den Eurofighter… und muss sich jetzt, bis das Ding voll einsatzfähg ist, auf die uralte Phantom verlassen.

    Anmerkung zur F-35: bei der Senkrechtstart-Version hat man sich bei der Konstruktion der schwenkbaren Düsen bei Jakovlev´s 141 bedient.
    Die Australische Luftwaffe geht übrigens davon aus, dass die Su-30 und Su-35 den von ihnen bestellten F-35 weit überlegen sein werden, weil sie größer und schwerer sind und mehr Raum für neue Technologie bieten.

  11. Hallo Hole,

    danke für die Infos. Nun ist auch klar, was Peda mit “der hat auch ein schönes JAK triebwerk der russen drin [sic!]” gemeint hat ;-) .

  12. pm says:

    Das Konzept unserer Armee ist oberschwach nur einen einzigen Flugzeugtypen zu evaluieren. (Multirole Fighter)

    Warum: Wir sehen gerade in Georgien, dass deren Luftwaffe von den USA vermeintlich gerüstet nicht in der Lage war 2 Std. in der Luft zu sein.

    Um Fighterqualitäten zu haben benötigt die Schweiz 2 Kernsysteme.

    Multirole figher 70 % der Beschaffung z.B Mig 29

    Kampf Fighter 30 % z.B Mig 31

    Aus meiner Sicht gilt dieses Konzept auch im Falle eines US oder Europäischen Anbieters.

    der Beschaffung (stationiert zu 80 %) bei den 3 grössten Flughäfen. Hier wird absolute Kampfbereitschaft gefordert. Mindestens 3 Stunden voll kampffähig in der Luft. (Der Gripen ist das z.B aus meiner Sicht nicht.

    Prinzipiell muss sich aber das VBS grundsätzliche Gedanken machen – Raketen in grösserer Zahl zu beschaffen die Ziele bis ca 250 km treffen können.

    Die Idee eines reinen Multirole Fighters ist zwar günstig, aber gibt nicht genügend Schlagkraft, dies als kampffähige Abwehr zu bezeichnen.

    (Nicht Prospekte zählen sondern realistische Kampffähigkeit im Ernstkampf)

  13. Stream says:

    Mig 31 in seiner letzten Version hat übrigens moderne,sehr leistungsfähige Avionik. Aber hallo Leute, gebe es da in der Schweiz überhaupt genug Raum für seinen Wendemanöwer ?

  14. T-50 says:

    Nun, die MIG-31 ist eher ein Relikt des kalten Krieges. Auch die BM-Version ist für die Schweiz ungeeignet, so sehr ich diesen Jet auch mag. Anhand der finanziellen Schwierigkeiten oder dem fehlenden politischen Willen, ein anständiges Budget für eine anständige Luftwaffe locker zu machen, käme auf russischer Seite sicher eine MIG-35 in Frage.
    Aber noch eine Frage eines (ich gebe es zu) Nicht-Profis in Luftwaffenfragen: Was steht engegeben der Beschaffung eines VSTOL-Jägers wie z. B. YAK-141 “Freestyle” oder der entsprechenden Variante F-35, die doch herrvorragend aus einer Waldlichtung starten könnten und so für einige Überraschung sorgen könnten (??).

  15. mig29movt says:

    Hi T-50

    Das Projekt Yak-141 wurde verworfen (1991 Geldmangel). Ich kenne für die Anschaffung des F-35 bis auf VTOL nur (!) Nachteile:
    -Kosten (werden Sinken, trotzdem 2011: 137 Mio$)
    -Nutzen (von Stealth und Hochtechnologie in einem kleinen Luftraum)
    -Beteiligung am JSF Programm nötig (soweit ich weiss)
    -Geringe Zuladung falls Stealth (Wiki: maximale Waffenlast: ca. 8.165 kg, davon 6.805 kg extern)
    -nicht wirklich wendig
    usw…
    Australien gedenkt sogar aus dem Projekt auszusteigen (Italien hat dies bereits getan seh ich gerade), da die bereits verursachten Kosten schon relativ hoch sind und das Endprodukt nicht den Wünschen entspricht (teilweise “useless”):
    http://ru.youtube.com/watch?v=5N0iXFN37iU

    (Ja ich weiss das Video ist teilweise Anti-Amerikanisch kommentiert/beschrieben, aber ich denke es ist an der Zeit kritischer zu werden, z.B. im Bezug auf relativ unnötige Radar Systeme zur falschen Zeit, am falschen Ort)

  16. nik says:

    Gezeigtes Video veranschaulicht meines Wissens zu Beginn des Videos (das absolut schöne Kobra Kunststück inbegriffen) eine Su-37, wenn mich nicht alles täuscht. Ich lasse mich allerdings gerne korrigieren :)

    grüsse,

  17. nik says:

    ps: ich beziehe mich auf das video vom artikel, nicht auf das über mir gepostete

  18. Hallo nik,
    die Beschreibung des Videos lautet: “Video showing Su-35 (Su-27M), Su-35UB, Su-37, Su-35BM.” Also kann das mit der Su-37 zu Beginn des Videos gut möglich sein (insbesondere die Bilder mit den bewegbaren Düsen). Ansonsten sind die äusserlichen Unterschiede zwischen der Su-35 und Su-37 eher schwer zu entdecken.

  19. pm says:

    Dass VBS ist schlicht zu bequem um die russischen Fighter überhaupt zu evaluieren. Die Schweiz würde deutlich besser fahren mit 30 SU-33 und etwa 50 SU-35 welche ein paar Jahre später beschafft werden könnten.
    Die Kosten sind um Quanitäten geringer als bei den evaluierten Produkten.
    Der Tiger ist konzeptionell von etwa 1958 also Uralt.
    Der kalte Krieg ist vorbei und vor allem könnten Kompensationsgeschäfte mit Russland ein super Niveau erreichen. Die Schweiz kann andere Elektronik einbauen ist immer noch um mindestens 60 % unter dem Eurofighter Preis.

  20. Froschn says:

    Die T-50 ist Anfang Januar zu ihrem Erstflug gestartet. Hier gibts ein Video des russischen “Fifth Generation Fighters”davon:
    http://www.patricksaviation.com/videos/Avidzba/4617/

    Sieht aus wie eine plattgedrückte F-22! Aber wie siehts eigentlich mit den Stalth Eigenschaften aus? Dazu gibt es erhebliche Zweifel, wie auch zu ein paar anderen Eigenschaften des russischen Fighters:
    http://www.themoscowtimes.com/opinion/article/the-stealth-that-couldnt/398793.html

  21. Der Artikel wurde am 01.05.2010 komplett überarbeitet – alle obigen Kommentare beziehen sich auf den alten Artikel.

  22. Gefreiter says:

    Besten Dank für das Update. Wenig überraschend zeigt sich, dass die Su-35BM gleichen Fragen aufwirft wie ihre Vorgänger. Persönlich hätte ich es dennoch begrüsst, wenn die Schweiz zumindest versucht hätte russische Maschinen zu evaluieren um sich mehr Optionen offen zu halten, realistisch gesehen hätten diese aber geringe Chancen. Erstens wegen der nötigen Umbauten welche wieder eine Schweizer Sonderlösung bewirken würde, aber auch aus politischen Gründen. Aus heutiger Sicht sollten wohl auch chinesische Maschinen wie die J-10 in die Evaluation einbezogen werden, wenn auch hier Fragen offen sind. China scheint die Maschinen jedenfalls zum Export anzubieten, Serienproduktion läuft schon:
    http://www.welt.de/politik/ausland/article7406055/China-praesentiert-stolz-seinen-modernsten-Kampfjet.html

    Wenn Ueli Maurer eine billige Übergangslösung sucht wäre auch die chinesische FC-1 Xiaolong nicht ganz uninteressant. Auf Papier scheint es ein einfaches aber relativ modernes Flugzeug zu sein. Da diese Maschine für Entwicklungsländer gedacht ist, sollten die Kosten vertrettbar bleiben und die nötigen Stückzahlen beschafft werden können. Fragt sich nur, ob die Maschine für Luftpolizeidienste was taugt …

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  28. Hans Müller says:

    Was war nun wirklich der Grund, warum keine US-Flieger in die Endausmarchung kamen ? In einer Politsendung machte ein Offizier die Aussage, dass sich die US freiwillig aus dem Bieterkampf zurückzogen, da sie die Technologie nicht liefern wollten. Letzten Freitag war von a.BR Blocher zu hören, dass die Schweiz von vornherein eine europäische Lösung avisierten.
    Danke für das Feedback

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